Gottes Einladungen
Neulich hatte ich ein Telefongespräch mit einer lieben Freundin, und während wir über die Höhen und Tiefen des Elternseins sprachen, tauchte etwas Tiefgründiges auf. Wir redeten über jene Momente – jene Kämpfe –, die uns über das Natürliche hinaus zu triggern scheinen. Du weißt schon, wenn das Verhalten deines Kindes jeden Knopf gleichzeitig zu drücken scheint oder wenn du bemerkst, dass du aus Angst und nicht aus Liebe und Weisheit erziehst.
Ich habe gelernt, diese Momente als eine Einladung zu verstehen, noch tiefer zu gehen.
Es wäre leicht, diese Zeiten als schlechte Tage abzutun oder sie mit schnellen Lösungen zu überdecken. Aber was ist, wenn Frustration, Angst oder Hilflosigkeit Sein sanfter Weg sind, dich aufzurufen, tiefer zu gehen - zu Wachstum, Heilung und etwas Größerem?
Ich erinnere mich an die Momente, in denen ich mich über mein Kind aufgeregt habe - nicht wegen dem, was es getan hat, sondern weil es in mir etwas Unverarbeitetes, eine Wunde oder eine Unsicherheit hervorgerufen hat, die ich gar nicht wahrgenommen hatte. Oder an die Momente, in denen die Angst vor seiner Zukunft oder vor seinen Entscheidungen in mir aufstieg.
Vielleicht hattest du auch schon unerwartete Wut über das Chaos, das sie angerichtet haben, Angst vor ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit oder Schuldgefühle, wenn du das Gefühl hattest, versagt zu haben. Sind dir solche Momente schon einmal begegnet?
Diese Augenblicke können überwältigend erscheinen – aber was, wenn sie Sein sanfter Schubs sind? Ein Aufruf, innezuhalten, in dich hineinzuschauen und Ihn zuzulassen, etwas Tieferes zu offenbaren.
Aber mal ehrlich: Hast du wirklich Zeit? In der Hektik von Schule, Essenszubereitung, Arbeit und einer endlosen Liste von Aufgaben scheint es fast unmöglich, einen Moment anzuhalten und nachzudenken.
Wir sind daran gewöhnt, zu reagieren, Feuer zu löschen – aber was, wenn der Frieden, den du suchst, in genau dieser Pause liegt? In einem Moment, um zu reflektieren, tief durchzuatmen und Seine Führung in dein Chaos einzuladen?
Aber wenn du wirklich keine Zeit hast, frag dich: Was muss weg, um Raum zu schaffen? Das ist in der Regel mein Ansatz – wenn ich keine Zeit für meine Familie habe, ziehe ich mich einen Schritt zurück. Mein Wohlbefinden wirkt sich auf alle aus, ebenso wie meine Wutausbrüche. Also schaffe ich Zeit, auch wenn das bedeutet, etwas anderes zu opfern.
Wir sind es nicht gewohnt, uns Zeit zum Wachsen zu nehmen. Wir halten nicht inne, um die Auslöser, die Ausbrüche, die Momente, in denen unsere Geduld schwindet, zu analysieren. Bevor wir’s überhaupt merken, handeln wir nicht mehr aus Vertrauen und Liebe, sondern aus Angst – Angst, dass es schiefgeht, wenn wir nicht sofort eingreifen, oder dass unser Kind in eine Richtung geht, die wir um jeden Preis verhindern wollen.
Aber was, wenn du für einen Moment aufhörst, ihnen den Finger zu zeigen, und stattdessen deine Aufmerksamkeit nach innen richtest? Nicht immer, denn manchmal ist es ein Prozess, den du gemeinsam mit deinen Kindern durchläufst, und das braucht Zeit. Aber wenn sich etwas ungewöhnlich anfühlt – wenn eine Situation dich weit über das eigentliche Geschehen hinaus triggert – dann lohnt es sich, anzuhalten. Ist es möglich, dass du nicht nur im Moment erziehst, sondern auch aus einem Ort der Angst, unverarbeiteten Emotionen oder Wunden aus deiner Vergangenheit bzw. Erziehung handelst?
Ich nenne diese Augenblicke Einladungen von Gott – sanfte Einladungen zu Heilung und Freiheit. Diese Momente, so unangenehm sie auch sein mögen, sollen dich nicht überwältigen, sondern dich zu tieferen Einsichten führen. Ich habe mir angewöhnt, dass wenn mich etwas ungewöhnlich triggert, ich innehalte und Ihn frage: „Worum geht es hier, Gott?“
Was wäre, wenn du, anstatt dich durch den Kampf zu hetzen, einfach fragen würdest:
Was zeigst Du mir in diesem Moment?
Warum trifft mich das so hart?
Was in meinem Herzen braucht Deine heilende Berührung?“
Ich möchte weder aus Angst noch aus Sorge erziehen und auch nicht von Gefühlen oder Erfahrungen überrumpelt werden, die mir bisher nicht bewusst waren. Aber ich weiß, dass Gott gut und treu ist und das verborgene darunter offenbaren wird. Ein kleiner Hinweis: Es braucht Zeit. Heilung geschieht meist nicht über Nacht – auch wenn es möglich ist – und Freiheit kommt oft in kleinen Schritten. Die eigentliche Frage ist: Nimmst du dir diese Zeit? Bist du bereit, Dinge loszulassen, um Raum für Veränderung zu schaffen?
Wenn ich dich ermutigen dürfte, würde ich sagen: Ja! Sag Ja zu dem Prozess, Ja zu Seinen Einladungen, Ja zu der Heilung und Freiheit, die auf dich warten. Es mag Zeit brauchen, aber du bist nicht allein – Gott ist direkt bei dir und führt dich liebevoll auf jedem Schritt des Weges. Also atme tief durch, tauche ein in Seine Gnade und vertraue darauf, dass Er dich dort treffen wird – denn das wird Er.
Lass mich dir ein kleines Szenario schildern: Dein siebenjähriges Kind hat sich daran gewöhnt, sich bei allem auf dich zu verlassen - daran erinnert zu werden, den Turnbeutel zu packen, das Pausenbrot mit in die Schule zu nehmen und andere kleine Aufgaben zu erledigen, die eigentlich in seine Verantwortung fallen. Du erinnerst immer wieder, übernimmst die Aufgaben, bis sich eines Tages Frustration breit macht. Und dann, ganz plötzlich, trifft dich eine Erinnerung oder eine Angst – das lebendige Bild eines Kindes, das du einmal kanntest, das nie gelernt hat, Dinge selbst zu tun. Das Kind, das als Erwachsener immer noch darauf angewiesen ist, dass seine Eltern das Leben für es meistern.
Plötzlich übernimmt die Angst. Der Gedanke, dass dein Kind so werden könnte, löst etwas Tiefes in dir aus, etwas, das größer zu sein scheint als die aktuelle Situation. Du schaltest einen Gang höher, wirst strenger als sonst und setzt Regeln mit einer Härte durch, die dich selbst überrascht. „Es ist zu ihrem Besten“, sagst du dir, „ich bringe ihnen Verantwortung bei.“ Aber etwas hat sich verändert. Der Ton hat sich geändert. Es geht nicht mehr darum, mit Geduld und Liebe zu lehren, sondern darum, von einem Ort der Angst aus zu erziehen.
So subtil, dass du es vielleicht gar nicht bemerkst – jene Erinnerung an das Kind, das du einst kanntest – aber ehe du dich versiehst, beginnt sie, deinen Erziehungsstil zu beeinflussen, auch wenn du das nicht beabsichtigt hast.
Verantwortung zu lehren ist ein wichtigster Aspekte des Elternseins - es ist eine Lebenskompetenz, die die Zukunft unserer Kinder prägt. Aber manchmal vermischen sich diese guten Absichten mit Angst, ohne dass man es merkt, und ehe man sich versieht, hat man einen gefährlichen Cocktail in der Hand. Plötzlich verlagert sich die Triebfeder deines Handelns von Vertrauen und Liebe zu Angst - Angst davor, was passieren könnte, wenn du nicht schnell genug eingreifst, oder Angst davor, dass sich dein Kind auf eine bestimmte Weise entwickeln könnte, wenn du jetzt nichts unternimmst.
In solchen Momenten können deine Ängste die Situation verzerren und sie weit über das hinaus aufbauschen, was dein Kind tatsächlich fühlt oder versteht. Was ursprünglich ein ehrlicher Versuch war, Verantwortung zu vermitteln, kann sich schnell in eine Reaktion verwandeln, die von alten, ungelösten Ängsten gesteuert wird. Du beginnst, dir ein zukünftiges Szenario vorzustellen – eines, das alte Ängste aus deiner Vergangenheit widerspiegelt – und reagierst dann auf dieses erfundene Ergebnis, anstatt dich auf die Realität des gegenwärtigen Moments zu konzentrieren.
Aus Furcht zu erziehen, statt zu vertrauen, trübt dein Urteilsvermögen. Es schafft eine Atmosphäre der Spannung, in der deine Kinder das Gewicht deiner Erwartungen spüren, statt die Wärme deiner Führung. Aber hier ist die Wahrheit: Es gibt einen besseren Weg.
Wenn diese Gefühle aufkommen, halte inne und atme tief durch. Schreib sie auf und nutze deine Zeit mit Gott, um Ihn zu fragen: „Worum geht es hier wirklich? Welche Lügen glaube ich?“ Erlaube Ihm, dir sanft die verborgenen Trigger und Stressfaktoren zu offenbaren, derer du dir vielleicht gar nicht voll bewusst bist, und lass zu, dass Er Heilung in diesen Bereichen bringt.
Sobald Er dir die Wurzel des Problems zeigt, lass Seine Heilkraft Freiheit bringen. Frage Ihn dann nach der Wahrheit: „Was ist Deine Wahrheit in dieser Erziehungssituation?“ Schreib sie auf, und jedes Mal, wenn die Lüge wieder auftaucht, ersetze sie durch Seine kraftvolle Wahrheit.
Diese Momente, so unbequem sie auch sein mögen, sind Gottes Einladungen – sanfte Anstupser, um tiefer zu gehen, das Verborgene aufzudecken und nicht aus Angst, sondern aus Glauben und Vertrauen in Ihn zu erziehen. Wenn du Ihm erlaubst, dich zu führen, verwandelst du deine Reaktionen aus Unsicherheit in Antworten voller Güte und Weisheit.
Diese Einladung anzunehmen, erfordert Mut. Es braucht Zeit, Reflexion und oft das Loslassen gewohnter Dinge, um Raum für Wachstum zu schaffen. Aber es lohnt sich – nicht nur für deine Kinder, sondern auch für dein eigenes Herz. Wenn du dich entscheidest, aus einem Ort des Vertrauens in Gott und nicht aus Angst zu erziehen, schaffst du ein Umfeld, in dem sowohl du als auch deine Kinder gedeihen können. Wirst du einen Moment innehalten und diese Einladung annehmen? Wirst du darauf vertrauen, dass Er treu ist und dich sowie dein Kind auf diesem Weg führt? Dieser Wandel wird die Atmosphäre in deinem Zuhause verändern, deinem Erziehungsprozess Freude bringen und dir helfen, die unnötigen Lasten, die du bisher getragen hast, loszulassen. Es wird nicht nur deine Familie jetzt beeinflussen – es wird über Generationen hinweg nachklingen.
Es ist ein Schlachtruf, der durch die Zeit hallt und dich daran erinnert, dass du nicht nur die nächste Generation großziehst, sondern gemeinsam mit Gott auch die kommenden Generationen formst.
Der Kampf um unsere Familien wird nicht immer mit den offensichtlichen „großen Waffen“ wie zerbrochenen Familien, Scheidung oder entfremdeten Beziehungen geführt. Er beginnt oft in den subtilen, alltäglichen Kämpfen – Angst, Kontrolle, Sorge, Frustration. Diese kleinen Risse können still und leise das Fundament schwächen, sind aber zugleich Gelegenheiten, standhaft zu bleiben, Gott einzuladen und mit Glauben, Vertrauen und absichtlicher Liebe zurückzuschlagen. Es gibt Hoffnung; du bist nicht Opfer deiner Vergangenheit, und du bist auch nicht hilflos gegenüber deinen Emotionen. Nimm diese von Gott gegebenen Einladungen an und, wenn das nächste Mal etwas auftaucht, akzeptiere das Angebot und lehne dich in deine stille Zeit mit Ihm hinein.