Anvertrauter Segen
Entschuldige, der Titel gibt nicht so ganz preis, worum es in diesem Beitrag geht. Lass mich es dir erklären!
In letzter Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, dass unsere Kinder uns nicht gehören - sie sind uns nur anvertraut. Dieser Gedanke kam mir in einem tiefen Gespräch mit einer Freundin. Sie erzählte, wie ihr Kind, das als Junge geboren wurde, den Wunsch äußerte, ein Mädchen zu sein, und schließlich den Kontakt zu ihnen abbrach. Ihr zuzuhören, wie sie die Wahrheit ausdrückt, dass unsere Kinder letztlich Gottes sind. Sie gehören schon immer Ihm berührte mich zutiefst.
So schwer das zu begreifen ist, dieser Gedanke nimmt den Schmerz nicht weg, aber er verändert unsere Perspektive. Er fordert uns auf, Gott auf einer tieferen Ebene zu vertrauen, als wir es je für möglich gehalten hätten. Denn sie gehören zuerst Ihm.
Diese Wahrheit ist leichter anzunehmen, wenn alles gut läuft – wenn wir unsere Kinder genießen und das Gefühl haben, dass sie den Weg gehen, den wir für richtig halten. Es fühlt sich an wie eine ruhige Fahrt. Aber lass uns innehalten und überlegen: Erziehen wir unsere Kinder, damit sie unserem Bild des besten Weges folgen? Was bedeutet das überhaupt – Schule, Bildung, Karriere, Wohnort, Lebensentscheidungen? Ist das wirklich unser Auftrag als Eltern?
Was ist unser Auftrag? Epheser 6:4 fasst es wunderbar zusammen: „Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, (und ich würde Mütter hier einschliessen) sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.“
Als Christen sind wir dazu berufen, uns intensiv mit der Erziehung unserer Kinder zu beschäftigen. Unsere Aufgabe ist es, sie in Gottes Wegen zu unterweisen – durch Lehre und Vorbild. „Sie aufzuziehen“ bedeutet, sie im Wort Gottes zu verwurzeln, sie in Seinen Wegen zu nähren und sie zu leiten, damit sie nach Seinem Plan leben.
Nimm dir einen Moment Zeit, um mit dem Heiligen Geist innezuhalten. Du hast wahrscheinlich schon bemerkt, dass wir hier nicht einfach Inhalte um der Inhalte willen anbiete. Wir sind von mehr Informationen umgeben als je zuvor, und doch scheint die Transformation oft zu fehlen. Wir gehen weiter, sammeln Wissen, ohne dass sich unser Leben wirklich verändert. Das reizt uns nicht. Wahre Verwandlung kommt nur durch den Heiligen Geist. Es sind die stillen Momente mit ihm, nicht der endlose Konsum, die die Herzen verändern. Darum lade ich dich ein, zu Seinen Füßen zu verweilen, innezuhalten und Ihm zu erlauben, dir zu offenbaren, was in deinem Herzen ist.
Erziehst du deine Kinder mit einer bestimmten Agenda im Kopf (Schule, Ausbildung, Karriere, kulturelle oder familiäre Normen, etc.)?
Der Herr hat uns kostbare Gaben anvertraut. Es ist wichtig, wie wir sie nähren und erziehen, aber es sollte nicht nach unseren kulturellen Werten oder unserer eigenen Erziehung geschehen, sondern nach den Werten des Königreichs. Ehrlich gesagt, ist das sehr schwer zu analysieren, denn wie können wir unsere Kultur von uns trennen, wenn sie uns so sehr geprägt hat? Ohne den Heiligen Geist ist das nicht möglich, weil sie so tief in uns verwurzelt ist, dass sie wie Wahrheit erscheint. Und weil sie wie Wahrheit erscheint, hinterfragen wir sie oft nicht – vielleicht erst dann, wenn wir in ein anderes Land ziehen oder in ein Umfeld kommen, in dem die Dinge anders laufen.
In Jeremia 1:5 lesen wir: „Ehe ich dich im Mutterleib bildete, kannte ich dich; und ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt...“ Unsere Kinder, wie der Prophet Jeremia, haben eine Mission von Gott. Aber seien wir ehrlich – es ist nicht immer einfach für uns, diese Wahrheit zu hören oder zu akzeptieren, besonders wenn Gottes Plan für unsere Kinder nicht mit den Plänen übereinstimmt, die wir für sie gemacht haben.
Es ist leicht, zu diesem Vers „Amen“ zu sagen, bis dieser Plan von unserem eigenen abweicht. Vielleicht hast du dir immer vorgestellt, dass dein Kind zur Universität geht, aber es spürt, dass Gott es in eine Bibelschule ruft. In der Kultur, in der ich aufgewachsen bin, wurde eine solche Entscheidung oft mit einem „Ja, aber...“ beantwortet. Selbst wenn Eltern offen genug waren, Ja zu sagen, kam es meistens mit einer Bedingung: „Das kannst du - aber zuerst musst du eine Ausbildung abschließen.“ Selbst während ich dies schreibe, erkenne ich, wie tief dieses Denkmuster in mir verwurzelt ist. Die Idee, zuerst die Bibelschule zu wählen, fällt mir schwer, vollständig zu akzeptieren, ohne ein „aber“ hinzuzufügen. Es lässt mich fragen – bin ich noch so von meiner Kultur geprägt, dass es mir schwerfällt, Gottes Plan zu vertrauen, der vielleicht anders ist als mein eigener? Es geht nicht darum, eine starre Regel für alle aufzustellen. In vielen Fällen könnte es weiser sein, zuerst zu studieren oder einen Job zu ergreifen – aber ist das immer der Fall? Es geht darum, sich für Hingabe zu öffnen und Gottes einzigartigen Ruf für jedes Kind zu erkennen.
Oder das Gegenteil: Dein Kind möchte Jura studieren und Anwalt werden, aber du hattest gehofft, dass es im Missionsfeld tätig sein würde. Du fürchtest, dass es seine Berufung aufgibt, dass es von Geld und Prestige verführt wird. Vielleicht hast du den Arbeitsplatz immer als weniger bedeutend angesehen als den Dienst und kannst dir nicht vorstellen, dass Gott es dort mächtig gebrauchen könnte.
Diese Beispiele zeigen, wie tief unsere Kultur, Erziehung und Erfahrungen uns prägen. Es ist eine demütigende Erinnerung daran, dass Elternschaft in Partnerschaft mit Gott oft bedeutet, unsere eigenen Wünsche loszulassen und Ihm zu vertrauen, unsere Kinder in die Pläne zu führen, die Er für sie vorbereitet hat.
Wenn wir beginnen, unsere Kinder als Individuen zu sehen, die für Gottes Zwecke einzigartig geschaffen wurden, können wir in der Verheißung von Römer 8:28 ruhen: Gott wird alles zum Guten wenden für die, die Ihn lieben und Ihm vertrauen.
In meinem eigenen Leben habe ich Gottes Güte oft erst im Rückblick erkannt. Es hat in dem Moment nicht immer Sinn gemacht – es fühlte sich unlogisch, sogar unweise an, sowohl für die Menschen um mich herum als auch manchmal für mich selbst. Doch Gott ruft uns auf, Ihm zu vertrauen, Ihm mit Seinen Kindern zu vertrauen. Seine Güte und Versorgung, die oft erst im Rückblick sichtbar werden, sind niemals zufällig. Er lädt uns ein, in dieses Vertrauen hineinzuwachsen, auch wenn wir das gesamte Bild noch nicht sehen können.
Unsere Kinder sind wie Schwämme, die mehr aufnehmen, als wir oft realisieren. Sie beobachten uns genau und stellen unausgesprochene Fragen: Ist der Glaube, von dem meine Eltern sprechen, echt? Leben sie ihn, oder sind es nur Worte – etwas, das gute Christen sagen, aber nicht wirklich umsetzen?
Es ist einfach, unseren Kindern zu lehren, was die Bibel sagt, aber setzen wir es auch in unserem eigenen Leben um?Sehen sie, wie wir Gottes Wahrheit in unserem täglichen Handeln anwenden, oder fallen wir auf kulturelle Normen zurück, wie etwa Bildung oder Sicherheit über alles andere zu stellen? In vielen Kulturen wird Bildung hoch geschätzt, und obwohl sie wichtig ist, stellt sich die Frage: Ist sie die Grundlage unseres Glaubens, oder vermitteln wir unseren Kindern etwas, das tiefer geht?
Was werden sie wahrnehmen, wenn sie uns betrachten? Werden sie Eltern erleben, die nur reden, aber zögern, wenn Gottes Pläne das Gewohnte oder Vernünftige infrage stellen? Oder werden sie Eltern erfahren, die Gott vertrauen, ganz gleich, was kommt – Eltern mit offenen Händen, die ihr Leben und ihre Pläne vollkommen in Seine Obhut legen, selbst wenn es der Welt unklug erscheint? Zu glauben, dass Er versorgen wird. Dass Er führt. Dass Er bei uns ist. Das ist der Glaube, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt – einen, der unseren Kindern beibringt, Gott mit ihrem eigenen Leben zu vertrauen, egal wohin Er uns ruft, aber ihnen auch eine Grundlage für ihr eigenes Leben gibt, weil sie es in uns erlebt haben.
Wir müssen unseren Griff, unsere Kontrolle und Erwartungen gegenüber unseren Kindern in Gottes Hände loslassen.
Deine Werte mögen aus einem guten Herzen, aus Wohlwollen und den besten Absichten heraus entstanden sein, doch letztlich gehören unsere Kinder Ihm, und Er hat einen Plan für ihr Leben. Die Partnerschaft mit dem Heiligen Geist, um uns in die Geheimnisse zu führen, ist von wesentlicher Bedeutung.
Um die Übung, mit dem Heiligen Geist zu sitzen, fruchtbar zu machen, schreibe auf, was Er gesagt hat, und reflektiere darüber in den nächsten Tagen.
Unsere Kinder sind geliehene Segnungen—letztlich gehören sie Ihm, nicht uns, um sie zu behalten. Das wird besonders spürbar, wenn du Pflegeeltern bist.
Pflegeeltern haben letztlich keine Entscheidungsgewalt über viele Dinge, die Eltern im Allgemeinen als selbstverständlich ansehen. Oft sind die leiblichen Eltern noch in der Bild, man gibt die Kinder an Wochenenden oder an bestimmten Tagen oder Ferien zurück, und wird ständig daran erinnert, dass sie nicht deine sind. Aber keines unserer Kinder gehört uns, unabhängig davon, wie Gott sie uns gegeben hat. Es ist eine großartige Erinnerung.
Wir haben einen Beitrag darüber geschrieben, wie wir unsere Kinder widmen, und wenn du es noch nie getan hast, empfehlen wir dir sehr, den Beitrag hier zu lesen.
Deine Reflexionen werden sich natürlich je nachdem verändern, ob du ein Baby in den Armen hältst, ein 10-jähriges Kind führst oder das Leben mit einem 16-Jährigen navigierst. Aber egal in welcher Saison, stelle dir immer wieder diese Frage: Widmest du dein Kind seinem ultimativen Vater? Mache es zu einer Gewohnheit – einem Rhythmus der Hingabe. Bleibe in Intimität mit Gott verbunden, ziehe alles, was du brauchst, aus der ultimativen Quelle, dem Einen, der den Anfang vom Ende kennt. Bleibe so nah, dass du das Flüstern Seiner Stimme hörst, die dich für deine Kinder führt.
Es ist nicht nur ein Statement – es ist eine Einladung, sich immer wieder dieser Wahrheit zu stellen. In der Arbeit mit vielen jungen Frauen, die mit ihren Eltern in Konflikt gerieten, weil ihre Entscheidungen nicht den Erwartungen der Eltern entsprachen, wurde mir klar, wie wichtig es ist, unsere Kinder Gott anzuvertrauen. Diese jungen Frauen suchten Gott mit ganzem Herzen, aber ihre Eltern konnten nicht über ihre eigenen Erwartungen hinausblicken.
Eine dieser Frauen, eine alleinerziehende Mutter, fühlte sich berufen, ihren Job aufzugeben, um mit ihrem kleinen Baby eine Bibelschule zu besuchen. Eine andere, jetzt verlobt, stieß auf Widerstand, weil ihr Verlobter – ein Mann mit einer geschiedenen Vergangenheit und vielen Tattoos – nicht ins Familienbild passte. Und dann war da noch die Frau, die glaubte, Gott rufe sie zu einer sechsmonatigen Mission, aber ihre Eltern konnten ihre Entscheidung nicht akzeptieren und ließen ihre eigenen Unsicherheiten und Ängste durchscheinen, indem sie nicht mehr mit ihr sprachen.
Diese und viele andere Geschichten zeigen eine schmerzliche Wahrheit: Wenn Eltern die von Gott geführten Entscheidungen ihrer erwachsenen Kinder nicht akzeptieren können, entsteht oft ein Riss in ihrer Beziehung - ein Riss, den sie vielleicht gar nicht wahrnehmen. Diese Brüche sind nicht unheilbar, aber sie können tiefe Wunden hinterlassen, die beide Seiten verletzen. Die Weigerung, den Weg ihrer Kinder zu akzeptieren, hat Beziehungen zerbrochen – manchmal auf eine Weise, die sich irreparabel anfühlt. Es ist ein Verlust, der tief geht und einen Preis fordert, den sie vielleicht nie vollständig verstehen werden.
Es ist einfach, diese Geschichten aus der Ferne zu betrachten und zu sagen: „So würde ich niemals reagieren.“ Aber halt einen Moment inne. Was wäre, wenn es dein Kind wäre? Wie würdest du reagieren, wenn seine Entscheidungen nicht deinen Erwartungen entsprechen?
Es ist so wichtig, dass wir unsere Kinder so erziehen, dass sie wissen, dass wir ihnen vertrauen. Ja, es gibt viel schlimmere Entscheidungen als die genannten – aber auch dann können wir unsere Kinder nicht kontrollieren. Stattdessen können wir einem perfekten Vater vertrauen, dass Er sie führt.
Egal, ob deine Geschichte der ersten Situation ähnelt, die mich zu diesem Beitrag inspiriert hat, oder ob dein Kind den Glauben verlassen hat, mit Sucht kämpft oder andere Herausforderungen hat – der Ruf bleibt derselbe: Beten. Wenn du es noch nicht zur Priorität gemacht hast, für deine Kinder zu beten, fang jetzt an. Das ist eine Gewohnheit, die du nie „ablegen“ wirst. Auch wenn deine Kinder ausgezogen sind und eigene Familien gegründet haben, wirst du immer vor Gott knien.
Also frage dich: Was ist die Haltung deines Herzens gegenüber deinem geliehenen Segen?